Für Lithium-Ionen-Akkus gibt es keine offizielle Brandklassenzuordnung.
In der Praxis wird die Einteilung in Brandklassen nicht zur Einsatzentscheidung genutzt, da Lithium-Ionen-Brände hochdynamisch und unvorhersehbar verlaufen.
Die gelegentliche Zuordnung zur Brandklasse A dient lediglich der vereinfachten Erklärung und ist kein normativer Maßstab.

Lithium-Ionen-Brände stellen im betrieblichen Umfeld eine akute Gefahr für Brandschutzhelfer dar, da sie hochdynamisch verlaufen und nicht kontrolliert durch Laien gelöscht werden können.
Der sichere Standard lautet daher: Eigenschutz, Räumen, Türen schließen und sofortige Alarmierung der Feuerwehr.
Was sollte im akuten Lithium-Ionen-Brandfall gleichzeitig passieren?
Bei einem Lithium-Ionen-Brand müssten im Idealfall mehrere sicherheitsrelevante Aufgaben parallel erfolgen:
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Raus aus dem Gefahrenbereich (Eigenschutz)
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Türen schließen (Rauch-Ausbreitung begrenzen)
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Bereich räumen (Menschenrettung)
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112 alarmieren (Zeitfaktor)
Genau hier entsteht das Problem:
Diese Aufgaben sind gleichzeitig notwendig, aber nicht gleichzeitig von einer einzelnen Person leistbar – selbst bei guter Ausbildung.
Das ist kein Ausbildungsdefizit, sondern eine strukturelle Realität bei zeitkritischen Brandereignissen:
Sicherheit im Brandfall ist keine Einzelleistung, sondern erfordert parallel handlungsfähige Personen.
Mehr zur Frage, warum bei solchen Lagen mehrere sicherheitsrelevante Aufgaben gleichzeitig anfallen, finden Sie 👉🏼 in unserer Seite zur Anzahl der Brandschutzhelfer
Zu welcher Brandklasse gehört ein Lithium-Ionen-Brand?
Lithium-Ionen-Akkus gehören zu keiner klassischen Brandklasse, da es in den offiziellen Regelwerken (DIN, ISO, DGUV) keine feste Zuordnung gibt. Brandschutzhelfer sollen solche Brände nicht nach Brandklassen, sondern nach der konkreten Gefährdung und Situation beurteilen.
Fachliche Grundlage:
👉🏼 DGUV FBFHB-024 Hinweise für die Brandbekämpfung von Lithium-Ionen-Akkus bei Fahrzeugbränden
Warum sollten Lithium-Ionen-Brände nicht von Brandschutzhelfern gelöscht werden?
Lithium-Ionen-Brände verlaufen häufig hochdynamisch.
Auslöser ist ein thermisches Durchgehen (thermal runaway), bei dem sich einzelne Zellen selbst weiter aufheizen und benachbarte Zellen mitreißen.
Das führt dazu, dass:
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große Energiemengen in kurzer Zeit freigesetzt werden
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Rauch, heiße Gase und Flammen unvorhersehbar entstehen
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der Brand im Zellinneren weiterläuft, auch wenn außen kurz keine Flamme sichtbar ist
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ohne Atemschutz, Abstand und Lageüberblick keine sichere Beurteilung möglich ist
Daraus folgt zwingend:
Brandbekämpfung gehört hier ausschließlich zur Feuerwehr – nicht zu den Aufgaben von Brandschutzhelfern.
Zur sauberen Abgrenzung von Aufgaben und Grenzen finden Sie 👉🏼 mehr zu den Aufgaben eines Brandschutzhelfers
Welche Löschmittel gibt es – was bedeutet das für Brandschutzhelfer?
In Fachveröffentlichungen wird häufig auf Wasser verwiesen, weil es eine hohe Kühlwirkung besitzt.
Das bedeutet jedoch keine Freigabe zur Eigenlöschung.
Wichtig ist die Einordnung:
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Wasser wirkt bei Lithium-Ionen-Bränden ausschließlich kühlend, nicht brandbeendend.
Der Brand könnte selbst unter Wasser im Zellinneren weiterlaufen, was eine trügerische Sicherheit erzeugt und erneutes Aufflammen begünstigt. -
Pulver, CO₂ oder Metallbrandpulver sind ohne Schutzmaßnahmen ungeeignet
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sogenannte „Speziallöschmittel“ verfügen über keine einheitlichen Prüfstandards und können trügerische Sicherheit erzeugen
Die DGUV warnt ausdrücklich davor, solche Brände durch Beschäftigte bekämpfen zu lassen. Zitat aus DGUV-Information 205-041:
Nach derzeitigem Kenntnisstand sind Löschmaßnahmen mittels Feuerlöscher allerdings im Hinblick auf den Personenschutz von Beschäftigten (inklusive Brandschutzhelfern) durch die bereits beschriebenen Gefährdungen als äußerst kritisch anzusehen…
Mehr dazu 👉🏼 in der DGUV-Information 205-041
URL: https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4668
💡 Konsequenz für Brandschutzhelfer:
Nicht nach dem „richtigen Löschmittel“ suchen, sondern Räumen, Alarmieren, Abstand halten.
Beim Lithium-Akku löschen entsteht Fluorwasserstoff (HF) – warum ist das so gefährlich?
Bei Lithium-Ionen-Bränden können hochtoxische Brandgase entstehen. Besonders kritisch ist Fluorwasserstoff (HF).
HF zählt zu den gefährlichsten Kontaktgiften:
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farblos und kaum wahrnehmbar
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dringt tief in Atemwege und Haut ein
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kann schwerste Lungenschäden verursachen
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bindet Calcium im Körper und kann Herzrhythmusstörungen und Organversagen auslösen
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Symptome treten oft zeitverzögert auf
Schon kurzer Kontakt kann lebensbedrohlich sein und starke Schmerzen hervorrufen.
Deshalb ist Rauch meiden und Bereich räumen kein Sicherheitsplus, sondern notwendiger Eigenschutz.
FAQ zu Lithium-Ionen-Bränden
Ja. Durch thermisches Durchgehen, toxische Rauchgase und unvorhersehbare Dynamik stellen diese Brände ein hohes Risiko für Personen ohne Schutzausrüstung dar.
Was können Betriebe vorab tun, um Risiken zu minimieren?
💡 Hier geht es nicht um „besser löschen“, sondern um Vorbereitung:
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Lade- und Abstellzonen definieren
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Unterweisung zur realen Gefährdung
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klare Alarm- und Räumungsabläufe
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Übungen ohne Vermittlung von Scheinsicherheit
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Abstimmung mit Feuerwehr / Sachversicherer
Ziel: Im Ereignisfall ist klar, wer was zuerst tut – ohne Improvisation.
Abschließende Einordnung
Diese Seite dient der realistischen Gefahreneinschätzung von Lithium-Ionen-Bränden im Betrieb.
Sie ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung und keine Anweisungen der Einsatzkräfte, hilft aber, falsche Erwartungen und gefährliche Fehleinschätzungen zu vermeiden.

