Eine Brandschutzhelfer-Ausbildung unterscheidet sich von vielen anderen Unterweisungen. Ziel ist nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern die Vorbereitung von Beschäftigten auf mögliche Entscheidungen und Handlungen im Brandfall.
PowerPoint-Präsentationen, E-Learning-Systeme, Webinare oder Selbststudium können theoretische Inhalte vermitteln.
Für eine sicherheitskritische Ausbildung von Laien stoßen diese Formate jedoch häufig an Grenzen. Beschäftigte müssen einen Entstehungsbrand erkennen, Gefahren einschätzen, die Alarmierung einleiten und gegebenenfalls einen Feuerlöscher einsetzen. Diese Handlungssicherheit entsteht in der Regel nicht allein durch das Lesen von Folien oder das Bearbeiten digitaler Lernmodule.
Viele Unternehmen überlegen deshalb, die Theorie digital durchzuführen und die praktische Löschübung separat organisieren zu lassen. Ob dadurch tatsächlich eine zusammenhängende und wirksame Brandschutzhelfer-Ausbildung entsteht, sollte jedoch sorgfältig geprüft werden.
Warum erscheint die Trennung von Theorie und Praxis vielen Unternehmen attraktiv?
Die Aufteilung in einen digitalen Wissensteil und eine spätere Feuerlöscherübung wirkt für viele Unternehmen zunächst attraktiv. Theoretische Inhalte können zeitlich flexibel vermittelt werden, während die konkrete Durchführung unabhängig davon organisiert wird.
Organisatorische und wirtschaftliche Überlegungen spielen dabei häufig eine Rolle. Digitale Lernmodule lassen sich mehrfach verwenden, Mitarbeitende können Inhalte eigenständig bearbeiten und die praktische Übung kann bei Bedarf durch einen separaten Anbieter durchgeführt werden.
Gerade bei mehreren Standorten oder größeren Beschäftigtenzahlen entsteht dadurch der Eindruck, Zeit, Aufwand und Kosten reduzieren zu können. Deshalb entscheiden sich manche Unternehmen für eine Trennung.
Ob dieser Ansatz auch in einem sicherheitsrelevanten Themenbereich sinnvoll ist, sollte jedoch nicht allein nach organisatorischen Gesichtspunkten bewertet werden.
Welche Nachteile kann eine Brandschutzhelfer-Ausbildung per PowerPoint, E-Learning oder Webinar mit späterer Praxisübung haben?
PowerPoint-Präsentationen, E-Learning-Systeme und Webinare können Wissen vermitteln. Ein späterer Praxisteil kann den Umgang mit einem Feuerlöscher trainieren. Werden beide Bestandteile jedoch zeitlich und organisatorisch voneinander getrennt, gehen wichtige Verbindungen häufig verloren.
Zwischen dem theoretischen Lernen und der praktischen Anwendung liegen oft Tage, Wochen oder sogar Monate. Offene Fragen aus dem digitalen Lernteil werden nicht unmittelbar geklärt. Erfahrungen aus der Praxis können umgekehrt nicht direkt mit den zuvor vermittelten Inhalten verknüpft werden.
Diese Herausforderung ist nicht auf Brandschutzhelfer beschränkt:
Hinzu kommt, dass elektronische Medien häufig allgemeine Inhalte vermitteln:
Hinzu kommt, dass die Praxis-Übung dadurch leicht auf die Bedienung eines Feuerlöschers reduziert wird. Im Brandfall reicht diese Fähigkeit allein jedoch nicht aus. Beschäftigte müssen eine Situation beurteilen, Gefahren erkennen, die Alarmierung einleiten und entscheiden, ob ein Löschversuch überhaupt noch sicher möglich ist.
Je stärker Theorie und Praxis voneinander getrennt werden, desto schwieriger wird es, aus einzelnen Wissensbausteinen einer PowerPoint-Präsentation, eines E-Learnings oder eines Webinars eine zusammenhängende Handlungssicherheit für den Brandfall zu entwickeln.
Reicht theoretisches Wissen aus PowerPoint, E-Learning oder Webinaren für den Brandfall aus?
Theoretisches Wissen ist ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Brandschutzes. Allein durch das Lesen von Folien, das Bearbeiten eines E-Learnings oder die Teilnahme an einem Webinar lernt man keine Handlungssicherheit für den Fall das es brennt.
Brandschutzhelfer sollen nicht nur Informationen kennen, sondern diese auch auf die konkreten Bedingungen im eigenen Unternehmen übertragen können. Genau deshalb stellt sich die Frage, ob eine Trennung von Theorie und Praxis diesem Anspruch gerecht werden kann.
Warum ist eine sicherheitskritische Laienausbildung nicht mit einem normalen E-Learning vergleichbar?
Viele digitale Lernangebote funktionieren hervorragend, wenn reines Fachwissen vermittelt werden soll und die Teilnehmenden bereits über grundlegende Kenntnisse des jeweiligen Themas verfügen.
Brandschutzhelfer stehen jedoch vor einer anderen Herausforderung. Die meisten Beschäftigten beschäftigen sich außerhalb einer Schulung kaum mit dem Thema Brandschutz. Gerade deshalb reicht es nicht aus, Inhalte lediglich durchzuklicken oder einzelne Wissensfragen richtig zu beantworten.
Im Brandfall müssen Menschen eine Notfallsituation richtig einschätzen, Prioritäten setzen und unter Umständen innerhalb weniger Sekunden angemessen reagieren. Genau diese Handlungssicherheit lässt sich nur begrenzt über digitale Lernmodule vermitteln.
Warum reicht die Bedienung eines Feuerlöschers allein nicht aus?
Bei getrennten Konzepten wird die vorgeschriebene Löschübung häufig auf das Auslösen eines Handfeuerlöschers und einen kurzen Löschversuch reduziert. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, die praktische Anforderung sei erfüllt.
Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch bereits vorher. Brandschutzhelfer müssen einen Entstehungsbrand sicher und selbstbewusst beherrschen, Gefahren für Menschen und Sachwerte durch frühes und richtiges Handeln begrenzen, eine Eigengefährdung ausschließen und erkennen, ob ein Löschversuch überhaupt noch sinnvoll oder bereits zu gefährlich ist.
Ein Feuerlöscher ist lediglich ein Werkzeug. Entscheidend ist die Fähigkeit, die Situation richtig zu beurteilen und angemessen zu handeln.
Was passiert mit offenen Fragen aus dem theoretischen Teil?
Die meisten Fragen haben Brandschutzhelfer nicht bei allgemeinen Grundlagenthemen, sondern beim Übertragen auf den eigenen Betrieb.
Aus unserer Erfahrung wissen Beschäftigte häufig sehr genau, welche Umstände im eigenen Unternehmen problematisch werden könnten wenn es brennt. Oft werden genau diese Themen während einer Schulung erstmals offen angesprochen.
Dabei geht es beispielsweise um regelmäßig blockierte Fluchtwege, organisatorische Schwachstellen, unklare Zuständigkeiten, problematische Lagerbereiche oder Abläufe, die im Alltag funktionieren, im Brandfall jedoch erhebliche Schwierigkeiten verursachen können.
Genau diese Fragen machen den inhaltlichen Wert einer Schulung aus. Werden Theorie und Praxis getrennt durchgeführt, besteht die Gefahr, dass solche betriebsspezifischen Fragestellungen zwischen beiden Terminen verloren gehen oder überhaupt nicht mehr aufgegriffen werden.
Warum ist der Bezug zum eigenen Unternehmen so wichtig?
Brandschutz findet nicht in einem Musterbetrieb statt, sondern in der Realität des jeweiligen Unternehmens.
Ein Bürogebäude stellt andere Anforderungen als ein Lager, eine Werkstatt, eine Schule oder eine Produktionshalle. Fluchtwege, Brandgefahren, technische Anlagen und organisatorische Abläufe unterscheiden sich teilweise erheblich.
Die DGUV Information 205-023 betrachtet deshalb nicht nur allgemeines Wissen, sondern auch die konkreten Gegebenheiten des jeweiligen Betriebs. Je besser theoretische Inhalte auf die tatsächlichen Bedingungen vor Ort übertragen werden, desto größer ist ihr Nutzen.
Wie kann man die Qualität eines späteren Praxisanbieters beurteilen?
Bei getrennten Konzepten wird der Praxisteil nahezu immer an einen separaten Anbieter vergeben.
Dabei entsteht eine neue Herausforderung. Während die Qualität eines E-Learnings häufig anhand von Zertifikaten, Bewertungen, Referenzen oder Anbieterangaben beurteilt wird, ist die fachliche Qualität der späteren praktischen Durchführung deutlich schwieriger einzuschätzen.
Welche Qualifikation besitzt die Person vor Ort? Welche praktische Erfahrung bringt sie im Brandschutz mit? Kann sie Fragen beantworten, die über die reine Bedienung eines Löschers hinausgehen? Ist sie in der Lage, betriebliche Besonderheiten sinnvoll einzuordnen und typische Fehlerquellen im eigenen Betrieb zu erkennen?
Gerade hier entscheidet sich jedoch, ob aus theoretischem Wissen tatsächlich Handlungssicherheit entsteht. Deshalb sollte die Auswahl des Praxisanbieters nicht allein nach Verfügbarkeit oder Preis erfolgen.
Je stärker Theorie und Praxis voneinander getrennt werden, desto wichtiger wird die Frage, wie die Qualität beider Bausteine sichergestellt und sinnvoll miteinander verbunden werden kann.
Ist die Brandschutzhelfer Ausbildung mit PowerPoint wirklich einfacher?
Auf den ersten Blick wirkt eine Brandschutzhelfer Ausbildung mit PowerPoint attraktiv. Bei genauer Betrachtung entstehen jedoch häufig zusätzliche Arbeitsschritte.
Digitale Lerninhalte müssen bereitgestellt, kommuniziert und überwacht werden. Teilnehmende benötigen Informationen zur Durchführung. Lernstände müssen kontrolliert und Nachweise erbracht werden.
Anschließend muss das Feuerlöschen separat geplant werden. Termine müssen koordiniert, Teilnehmende erneut organisiert und die Durchführung ebenfalls dokumentiert werden.
Dadurch entstehen gleich zwei organisatorische Prozesse. Gleichzeitig müssen Beschäftigte für zwei getrennte Termine eingeplant werden.
Die vermeintlich einfache Lösung ersetzt daher häufig keine Schulungszeit, sondern verteilt dieselben Aufgaben auf mehrere Termine und Beteiligte. Das lässt sich mindestens ebenso gut in einer gemeinsamen Maßnahme durchführen.
Ist die Trennung von Theorie und Praxis wirklich günstiger?
Die vermeintliche Kostenersparnis mit PowerPoint, E-Learning oder Webinar berücksichtigt häufig nur die unmittelbar sichtbaren Kosten eines digitalen Lernangebots.
Nicht berücksichtigt werden interne Aufwände für Organisation, Teilnehmerverwaltung, Terminabstimmung, Dokumentation und Qualitätssicherung. Hinzu kommt der Aufwand für die Auswahl und Koordination eines geeigneten Praxisanbieters.
Gerade in größeren Firmen oder bei mehreren Standorten können diese indirekten Kosten einen erheblichen Teil des tatsächlichen Gesamtaufwands ausmachen.

Entsteht mit einer Brandschutzhelfer-Ausbildung per PowerPoint, E-Learning, Webinar oder Selbststudium guter Brandschutz für die Firma?
Am Ende entscheidet nicht, wie viele Folien angesehen, Lernmodule bearbeitet oder Teilnahmebescheinigungen ausgestellt wurden. Entscheidend ist, ob dadurch der Brandschutz im Betrieb tatsächlich verbessert wird.
Die entscheidende Frage lautet: Können Beschäftigte einen Entstehungsbrand frühzeitig erkennen, sicher und selbstbewusst handeln, Gefahren für Menschen einschätzen und durch richtiges Eingreifen verhindern, dass aus einem kleinen Brand ein größerer Schaden entsteht?
Brandschutzhelfer sollen nicht am Sammelpunkt auf das Eintreffen der Feuerwehr warten. Sie sollen im frühen Stadium eines Brandes dazu beitragen, Menschen zu schützen, Sachwerte zu erhalten und die Folgen eines Brandereignisses möglichst gering zu halten.
Genau an diesem Maßstab sollte jede Form der Wissensvermittlung, praktischen Übung und organisatorischen Gestaltung einer Brandschutzhelfer-Ausbildung gemessen werden.

