Lithium-Ionen-Brand: Was bedeutet das für Brandschutzhelfer?

Ein Lithium-Ionen-Brand gehört zu den anspruchsvollsten Brandereignissen im betrieblichen Umfeld. Für Brandschutzhelfer besteht die wichtigste Aufgabe nicht darin, einen brennenden Akku selbst zu löschen, sondern Menschen zu schützen, Gefahrenbereiche zu räumen, die Ausbreitung von Brand und Rauch zu begrenzen sowie sofort die Feuerwehr zu alarmieren.

Gerade bei Lithium-Ionen-Bränden ist das Erkennen der eigenen Grenzen wichtiger als der Versuch der Brandbekämpfung. Wer in der Brandschutzhelfer-Ausbildung gelernt hat, Gefahrenlagen richtig einzuschätzen und die Grenzen der eigenen Möglichkeiten zu erkennen, verhindert durch richtige Entscheidungen oft größere Schäden als durch einen unkontrollierten Löschversuch.

Warum ist ein Lithium-Ionen-Brand kein typischer Brandschutzhelfer-Brand?

Ein Lithium-Ionen-Brand ist kein typischer Brandschutzhelfer-Brand, weil sich ein durchgehender Akku innerhalb kürzester Zeit zu einer Gefahrenlage entwickeln kann, die außerhalb der Möglichkeiten eines Brandschutzhelfers liegt.

Viele Menschen verbinden Brandschutzhelfer automatisch mit dem Einsatz eines Feuerlöschers. Bei Lithium-Ionen-Bränden ist diese Vorstellung gefährlich.

Während sich gewöhnliche Entstehungsbrände mit einem Handfeuerlöscher erfolgreich bekämpfen lassen, entwickeln beschädigte Lithium-Ionen-Akkus innerhalb kürzester Zeit Temperaturen, Rauchmengen und Brandverläufe, die außerhalb der Möglichkeiten eines Brandschutzhelfers liegen.

Ein Lithium-Ionen-Brand ist deshalb kein Brandereignis, das sich mit den üblichen Erfahrungen aus Papierkorb-, Elektrogeräte- oder Kleinbränden vergleichen lässt. Die Dynamik eines durchgehenden Akkus stellt selbst erfahrene Einsatzkräfte wie uns Berufsfeuerwehrmänner vor besondere Herausforderungen.

Warum kann gerade jetzt entschlossenes Handeln gefährlich werden?

Bei den meisten betrieblichen Entstehungsbränden ist schnelles und entschlossenes Löschen richtig. Genau dieses Handlungsmuster wird bei einem Lithium-Ionen-Brand zur Gefahr.

Ein durchgehender Lithium-Ionen-Akku folgt anderen Regeln.

Lithium-Ionen-Brand mit starker Rauchentwicklung während einer Löschmaßnahme – Gefahrenlage für Brandschutzhelfer

Die eigentliche Herausforderung besteht jetzt nicht im Umgang mit dem Feuerlöscher, sondern darin zu erkennen, dass eine Maßnahme, die bei vielen anderen Bränden sinnvoll wäre, hier die falsche Entscheidung ist. Genau diese Erkenntnis gehört zu den wichtigsten Lernzielen einer realitätsnahen Brandschutzhelfer-Ausbildung, die diese Art von Bränden berücksichtigt.

Aus unserer Sicht als Berufsfeuerwehrmänner entsteht das größte Risiko nicht durch diese Akkus selbst, die mittlerweile zu unserem Alltag gehören. Gefährlich wird die Situation dann, wenn der Eindruck entsteht, diese Lage sei mit der richtigen Löschtechnik beherrschbar. Bei Lithium-Ionen-Bränden sind Lagebeurteilung und Eigenschutz wichtiger als jede vermeintlich neue Speziallösung.

Genau deshalb steht bei solchen Brandereignissen nicht das Feuer löschen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie diese gefährliche Lage richtig beurteilt werden kann.

Woran erkennt ein Brandschutzhelfer bei einem Lithium-Ionen-Brand, dass seine Möglichkeiten erreicht sind?

Ein Brandschutzhelfer hat seine Möglichkeiten erreicht, wenn sich am Akku deutliche Warnzeichen zeigen:

Spätestens an diesem Punkt steht nicht mehr die Brandbekämpfung im Vordergrund. Entscheidend ist dann die Erkenntnis, dass die Situation nicht mehr durch die Mittel und Möglichkeiten eines Brandschutzhelfers beherrscht werden kann.

🎥 Das Video zeigt eine reale Übungssituation aus der Brandschutzhelfer-Ausbildung. Die Dynamik des Lithium-Ionen-Brandes verdeutlicht, warum solche Brandereignisse die Möglichkeiten von Brandschutzhelfern überschreiten können.

Bestätigt die DGUV diese Einschätzung?

Ja. Auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bewertet Löschversuche durch Beschäftigte bei Lithium-Ionen-Bränden kritisch.

In der DGUV-Information 205-041 heißt es:

„Nach derzeitigem Kenntnisstand sind Löschmaßnahmen mittels Feuerlöscher allerdings im Hinblick auf den Personenschutz von Beschäftigten (inklusive Brandschutzhelfern) durch die bereits beschriebenen Gefährdungen als äußerst kritisch anzusehen.“

Diese Einschätzung deckt sich mit unserer Erfahrung aus dem Feuerwehrdienst.

Mehr dazu in der DGUV-Information 205-041.

Was sollte man tun?

Hat ein Brandschutzhelfer erkannt, dass seine Möglichkeiten erreicht sind, darf daraus kein Zögern entstehen. Auch ohne eigenen Löschversuch bleiben wichtige und überraschend einfache Aufgaben bestehen.

  1. Unverzüglich den Brandbereich räumen, gefährdete Personen warnen und mitnehmen
  2. Sofort die Feuerwehr alarmieren
  3. Eine Rauchausbreitung im Gebäude verhindern
  4. Das Wiederbetreten des Gefahrenbereichs konsequent verhindern
  5. Informationen zur Lage an die Einsatzkräfte weitergeben

Die Möglichkeiten eines Brandschutzhelfers enden somit nicht mit dem Verzicht auf einen Löschversuch. Sie verlagern sich auf die Maßnahmen, welche Menschen schützen und der Feuerwehr wertvolle Zeit verschaffen.

Warum ist die Feuerwehr-Denkweise bei Lithium-Ionen-Bränden wichtiger als der Löschreflex?

Berufsfeuerwehrmänner lernen bei besonderen Gefahrenlagen zunächst die eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer Menschen sicherzustellen, bevor konkrete Maßnahmen eingeleitet werden.

Sinngemäß lässt sich dieser Gedanke auch auf Brandschutzhelfer übertragen:

  1. Gefahr erkennen
  2. Abstand halten
  3. Menschen schützen
  4. Feuerwehr alarmieren

Genau diese Reihenfolge ist bei Lithium-Ionen-Bränden wichtiger als der unmittelbare Griff zum Feuerlöscher.

Die größte Leistung eines Brandschutzhelfers besteht bei einem Lithium-Ionen-Brand deshalb nicht darin, den Akku selbst zu löschen. Entscheidend ist die Fähigkeit, diese gefährliche Lage richtig einzuschätzen, die eigenen Grenzen zu erkennen und die richtigen Prioritäten zu setzen.

Wer dies verstanden hat, handelt nicht passiv. Er handelt verantwortungsvoll.